Das Interview mit Marco Spalke führte Wolfgang Blunck, Oldenburg

 

Marco Spalke ist am 12.08.1972 geboren, lebt seit 2005 mit seiner Frau Justine und den drei in Südafrika geborenen Kindern Naomi Noah und Leon nahe Kapstadt. Er arbeitet als Missionar und ist auch Mitglied im Freundeskreis Wakkerstroom e.V. und als Ansprechpartner und Bindeglied vor Ort engagiert.

Marco, erzähl uns doch bitte etwas zu deinem familiären Hintergrund und wie und wo du aufgewachsen bist. Was waren deine Ideen und Ziele damals, was wolltest du werden?

Ich bin zusammen mit meiner älteren Schwester in einer guten Familie in Cloppenburg aufgewachsen und hatte eine sehr behütete Jugend. Damals wollte ich Pilot oder Polizist werden und habe dann aber nach vielen Umwegen eine Ausbildung zum Raumausstatter und später zum Meister gemacht. In meinem Herzen war jedoch immer der Wunsch, armen und bedürftigen Menschen zu helfen. 

Wie sind deine Frau und du auf die Idee gekommen, aus der bekannten Umgebung heraus in die Mission zu gehen und wie ist dann Südafrika ins Spiel gekommen?

Ich war auf der Suche nach dem Sinn des Lebens und bin dabei auf die Bibel gestoßen. Viele der Fragen, die mich bewegten, wurden durch die Bibel beantwortet. In meiner Kirchengemeinde in Cloppenburg habe ich Justine kennengelernt. Während einer 3 monatigen Schulung bei „Jugend mit einer Mission“, einerüberkonfessionellen Missionsgesellschaft, für die wir auch heute noch tätig sind, trafen wir uns erneut. Wir haben dann schnell herausgefunden, dass wir zusammengehören. Monate später haben wir geheiratet und kurz danach einen Kurzzeit-Einsatz in Südafrika gemacht. Im Gebet wurde uns bestätigt, dass Gott uns dort als Missionare haben möchte. 

Als ihr euch dann entschieden hattet, wie ging es dann weiter? Südafrika ist groß, wie habt ihr euren Wirkungsort/-gegend gefunden?

Es ging alles sehr schnell - im Oktober 2005 sind wir mit 20 kg pro Person ins Ungewisse nach Südafrika ausgewandert 

...aber gewiss, dass Gott uns den Weg zeigen wird! 

Wir haben dort sehr viel ausprobiert. Ich habe ein kleines Unternehmen gestartet und Training für Arbeitslose in den Townships angeboten. Ebenfalls haben wir einen kleinen Second-Hand-Shop in einem der Townships eröffnet und Justine hat Stoffmalklassen unterrichtet. Dennoch waren wir beide mit dieser Arbeit nicht sehr zufrieden. Wir hatten Kinder auf dem Herzen, arbeiteten aber hauptsächlich mit Erwachsenen. 

Wakkerstroom war das erste Projekt, in welchem wir bei unserem Kurzzeit-Einsatz 2004/2005 mitgearbeitet haben. Zur Schule haben wir in den letzten Jahren über 30 Einsatzteams geleitet und auch viele Volontäre (mehr als 20) vermittelt. Klassenräume wurden gebaut und der Schulhof sowie das Umfeld verbessert. In den Abendstunden haben wir dann häufig Gottesdienste in den unterprivilegierten Gegenden gehalten. 

2006 bekamen wir Kontakt zu einem Waisenhaus (besser gesagt eine Hütte). Diese Hütte haben wir dann von Grund auf renoviert. In die Arbeit mit den Waisenkindern haben wir dann außerdem Strukturen eingebracht. Heute wohnen über 30 liebevoll betreute Kinder in diesem Heim für elternlose Kinder.

Nachdem für uns das Projekt Waisenhaus abgeschlossen war, lernten wir Namasango kennen, die sich um Kinder mit zerebraler Kinderlähmung kümmert. Bis zum heutigen Tag ist das Projekt Sibongile unser Arbeitsmittelpunkt. Inzwischen hat sich Sibongile zum Sibongile Day & Night Care Centre, für 36 behinderte Kinder entwickelt.

Wo lebt ihr jetzt, wovon lebt ihr und wer unterstützt euch?

Wir leben in Muizenberg in der Nähe von Kapstadt. 

Unser „Einkommen“, wenn man es so nennen darf, bekommen wir durch Spenden. Wir haben gebetet, dass Gott Menschen berührt und diese uns unterstützen. Wir haben nie nach Geld gefragt, aber immer genug zum Überleben gehabt.

Wie habt ihr einen Unterstützerkreis für die Projekte gefunden und aus welchen Ländern kommt dieser?

Am Anfang unserer Arbeit spürten wir von Gott die Zusage, dass wir Unterstützung von Menschen erhalten würden, von denen wir es nicht erwarten würden. Und so ist es dann auch gekommen. Viele der Unterstützer kennen wir nicht einmal. Ich habe auch Vorträge in Kirchengemeinden und Schulen gehalten, Menschen kennengelernt, die dann unsere Arbeit unterstützen. 

 

Jedoch sehen wir jeden Tag viele, viele Wunder; wie die Projekte versorgt werden. Manchmal wissen wir nicht, woher das Geld kommt. Unser „Hauptunterstützer Kreis“ kommt aus Deutschland

 

Wie war die Situation von Wakkerstroom bei eurer ersten Begegnung?

Wakkerstroom war in Punkten Lerninhalte, Lehrer und Schüler erstaunlich gut strukturiert und organisiert. Es fehlte hauptsächlich an Schulkleidung, regelmäßiger Verpflegung der Kinder und weiteren Klassenzimmern. 

Beschreibung von Wakkerstroom; Umfeld, Menschen (Farmarbeiter, Weinfarmer , Kinder), 

Einige der bekanntesten südafrikanischen Weingüter befinden sich unweit von Wakkerstroom, ca. 200 km nordöstlich von Kapstadt. Doch die Arbeiter auf den Weingütern sind geplagt von sozialen Problemen, die besonders den Kindern das Leben schwer machen. Traditionell wohnen sie in den Häusern ihrer Arbeitgeber und wurden in Apartheidzeiten oft mit Alkohol bezahlt und somit automatisch abhängig gemacht. Alkoholkonsum während der Schwangerschaft bewirkt noch heute bei vielen Kindern das Fetale Alkohol Syndrom (FES), das sich in Lern- und Sehschwächen, Entwicklungsstörungen oder sogar geistiger Zurückgebliebenheit zeigt. Die Sucht der Eltern, sowie ihre schwierige wirtschaftliche Lage, macht die Förderung der Kinder fast unmöglich. Armut und eine hoffnungslose Zukunft, gepaart mit häuslicher Gewalt und Missbrauch, sind hier leider viel zu oft an der Tagesordnung. 

Was war die Motivation sich mit der Farmschule Wakkerstroom zu beschäftigen, welche Perspektive/Visionen haben sich aufgetan und was waren die nächsten Schritte, um diese dann umzusetzen?

Wir haben gesehen, dass Familie Abrahams und ihr Team sich mit allem was sie haben um diese Kinder kümmerten, wirklich ihr Leben für diese Kinder hingaben. Das war für uns eine Bestätigung, dass hier unsere Hilfe am richtigen Ort ankommt. Am Anfang war es schwer die Menschen zu erreichen und mit ihnen zusammen zu arbeiten, da wir Kultur und das Umfeld damals nicht wirklich verstanden. In den letzten 7 Jahren jedoch ist dieses gewachsen und wir können heute sagen, dass wir den richtigen Schritt getan haben.

Was ist das Besondere an Frau Abrahams und ihrem Team?

Eine kompromisslose Hingabe für die Schüler und das Herz, diese Kinder eines Tages in Ihren Begabungen arbeiten zu sehen.

Ist das Projekt Wakkerstroom Farmschule für euch inzwischen abgeschlossen oder dauert die Unterstützung durch euch dort noch immer an?

Da wir uns schwerpunktmäßig um die sehr große Organisation „Sibongile“ kümmern, waren und sind wir zeitlich, finanziell und auch auf Grund der Entfernung sehr limitiert. 

Der Kontakt mit der Farmschule besteht nach wie vor, seit der Unterstützung durch den Freundeskreis konnten wir die Zusammenarbeit durch zusätzliche Schwerpunkte erweitern.

Der Freundeskreis hat uns eine riesige Last von den Schultern genommen. Ich bin heute die südafrikanische Kontaktperson und Berater für den Freundeskreis und kann das zeitlich und mit vollem Herzen mittragen.

Der Freundeskreis Wakkerstroom hat Mitte 2011 sein Patenschafts-Programm für Schüler begonnen, die eine Weiterbildung an der High School erfahren. Welche Auswirkungen hat das Patenschafts-Programm für alle Beteiligten in Wakkerstroom Farmschule und der High Schools

Durch dieses Patenschafts Programm für begabte Schüler wird es diesen Jugendlichen ermöglicht, auf weiterführende Schulen zu gehen. Den Eltern war es durch ihre Armut nicht möglich, Schuluniformen für ihre Kinder zu kaufen oder die Schulgelder und das Internat für die High School zu finanzieren. Mit der Förderung durch den Freundeskreis eröffnen sich für begabte Schüler neue Perspektiven.

Für die Lehrer der weiterführenden Schulen ist es natürlich eine Herausforderung, mit Schülern aus unterprivilegierten Familien zu arbeiten. Dennoch ist es im Gesamtbild ein großer Fortschritt für alle Beteiligten.

Welche Perspektiven haben die Schüler, die die High School erfolgreich abschließen?

Sie können mit einem guten Abschluss auf weiterführende Universitäten oder Fachhochschulen gehen. Auch eine Ausbildung ist nach der High-School möglich. Ein erfolgreicher High School Abschluss öffnet ihnen viele neue Wege.

Aus deiner Sicht, was sind die aktuellen Bedürfnisse der Schüler, der Farmschule Wakkerstroom und der beiden High Schools?

Schul- & Internatsgebühren und die Schuluniformen. 

Was verbindet dich mit der Farmschule Wakkerstroom, den beiden High Schools und dem Freundeskreis Wakkerstroom e.V. heute?

Die Verbindung zur Farmschule besteht heute immer noch durch die Freundschaft zu Familie Abrahams und natürlich durch meine Position im Freundeskreis, welcher auch die Kontakte zu den High Schools beinhaltet. Persönliche Freundschaft verbindet mich außerdem mit Albert und Martina Schott und mit Peter Wendt.

Als ein Abschlussstatement, was möchtest du den Unterstützern und Freunden des Freundeskreis Wakkerstroom noch zur Motivation mitgeben? 

Viele Menschen, die einen kleinen Beitrag geben, können große Dinge verändern. Ihr Beitrag wird das Leben dieser Kinder verändern und ihnen eine Zukunft ermöglichen, die sie sich nie zuvor erträumt hätten. 

Marco, vielen Dank für das Interview, vielen Dank für die Unterstützung unserer gemeinsamen Arbeit, gestern, heute und morgen.